Es begann um 15:30 Uhr mit Kambis Kulture. Es handelt sich dabei um Musiker aus dem Senegal, welche gemeinsam mit heimischen Musikern ein Projekt auf die Beine stellten. Ihr kunterbunter „Afro-Mix“ brachte langsam aber sicher die noch spärlichen Besucher vor der Bühne zum Tanzen.
Danach folgte Habana Son Club. Kurzfristig als Ersatz von Busi Mhlongo eingesprungen, taten sie ihr Möglichstes um die noch immer spärliche Crowd zu motivieren. Die Band war zwar kein „Feuerwerk“ zündender Ideen und genialer Musikalität, aber weil sie es als einziger „Latin-Act“ wahrlich schwer hatten, hätten sie sich sicher mehr Zuspruch verdient.
Als Eek-A-Mouse um 18:30 Uhr die Bühne betrat, präsentierte das Bacardi Sunsplash seinen ersten Reggae-Künstler. Gleichzeitig füllte sich der Platz vor der Bühne. Eek-A-Mouse entpuppte sich als „2 Meter Riesen-Maus“ dessen Körper „von unten nach oben immer breiter“ wurde. Etwas seltsam für einen Reggae-Musiker zeigte er sich dann im „Netz-Shirt“, in Cowboystiefel mit eingestrickter Hose und seinem obligaten Cowboyhut. Zugegeben, der am besten gekleidete war Eek-A-Mouse nicht. Aber er lieferte eine amtliche Show, welche von einer extrem gut agierenden Backing-Band getragen wurde. In seiner Rolle als Cowboy gefiel sich Eek-A-Mouse auch sehr gut und das Publikum zeigte erstmals echte Regung und feierte ausgelassen.
Extrem kurios war dann der Beginn der Roy Paci Show. Es hatte sich offenbar nicht ganz durchgesprochen, dass jener kleine Sizilianer der Trompeter in Manu Chaos Band nämlich dem Radio Bemba Soundsystem war. Als unser Master Of Ceremony Roy Paci und seine Band Atruska ankündigte, wagten sich geschätzte 100 Neugierige vor die Bühne. Die Verwunderung war keine geringe... Allerdings wussten sich die Italiener perfekt in Szene zu setzen. Ihr Rocksteady war herrlich erfrischend. Leider konnte der Drummer „der Hitze“ der Bläser nicht ganz zu folgen, was dem „Drive“ etwas abträglich war. Roy Paci moderierte in einem seltsamen Kauderwelsch aus Italienisch und Englisch. Niemand verstand worum es ging. Die Musik sprach aber ohnehin für sich... Und zum Glück konnte sich doch eine ansehnliche Masse vor der Bühne einfinden. Das Debütalbum von Roy Paci ist soeben erschienen. Riskiert ein Ohr! Es kann nicht schaden.
Über die danach folgenden Steel Pulse wusste man eigentlich relativ wenig, außer dass es sie seit Ewigkeiten gibt und sie vor Unzeiten ihre letzte Platte veröffentlichten. Ihr Roots Reggae war aber extrem authentisch und wurde voll der Leidenschaft vorgetragen. Steel Pulse profitierten sicher auch von der Vorfreude auf Alpha Blondy, auf den sich das Publikum offenbar schon eintanzte.
Es gab da offensichtlich ein paar „inner-afrikanische Kommunikationsprobleme“, denn Ismael Agana der Sohn Alpha Blondys wollte keinen eigenen Set spielen. Er war bestimmt im Rahmen der Jubiläumsshow von Alpha Blondy & The Solar System aufzutreten. Dieser feiert doch dieses Jahr sein 25-jähriges Bühnenjubiläum. Alpha Blondy spielte bereits das fünfte Mal in Wiesen und Alpha kann bereits ein guter Freund genannt werden. Der Meister präsentiert sich wie immer freundlich und extrem „ground-related“. Dies macht ihn auch so einzigartig. Musikalisch hat er ohnehin noch nie enttäuscht. Sein African Reggae ist vom Feinsten. Mit „Jerusalem“ startete er zur Begeisterung aller in die Show. Und seine ganzen Hits sollten folgen. Stellvertretend sei hier „Sebe Alah Ye“ oder „Cocody Rock“ genannt. Mehr als drei Stunden dauert diese Ausnahmeshow, welche von Publikum begeistert aufgenommen wurde.
Alles in allem ein sehr gelungener Festivaltag voll der positiven Emotionen und schönen Momente. Man darf auf den 2.Tag gespannt sein.
Bacardi Sunsplash Tag 2 - 24.08.2002
Vorab sei eines gesagt: Es war ein schöner Festivaltag. Einer jener Tage, bei dem die Mischung der verschiedenen Acts einfach stimmte. Dass es mit an die 6.000 Zahlenden auch einer der erfolgreichsten der Sunsplash Geschichte war, ist zudem schön. Diese feierten ausgelassen bis in die frühen Morgenstunden. Doch nun der Reihe nach.
Zu recht früher Stunde und zwar um 14.00 Uhr legten Moana & Tribe los. Es war das erste Mal, dass wir Maori zu Gast hatten. Diese präsentierten sich in ihrer ozeanischen Tradition. Den spärlich anwesenden Besuchern entging ein Auftritt der etwas anderen Art. Allerdings steckte vielen wahrscheinlich noch die Blondy-Party des Vorabends in den Gliedern. Viele waren aber einfach noch nicht da.
Die bezaubernde Joy Denalane war vielen doch zumindest vom „Freundeskreis“ noch ein Begriff. Ihr erfrischend souliges Album „Mamani“ können nicht viele „intus“ gehabt haben, weil es erst seit kurzem auf dem Markt ist. Joy Denalane ist die Tochter eines deutschen Vaters und einer südafrikanischen Mutter. Wenn sie vom „Ghetto von Soweto“ singt, dann wirkt dies echt und authentisch. Sie überzeugte bei großer Hitze und vor noch müdem Publikum.
Patrice würde das erste Zugpferd sein, dies wussten wir von seinem letztjährigen Auftritt beim „Springvibration“. Begeistert wurde Patrice auch ganz im Stile eines großen Künstlers aufgenommen. Der Sohn eines Vaters aus Sierra Leone und einer deutschen Mutter mixt geschickt Reggae, Pop und Ethno-Einflüsse zu einer Melange, die zudem von seiner großartigen Stimme lebt. Sein Äußeres bringt zusätzliche Vorteile bei seinen weiblichen Fans. Nicht ganz so euphorisch erlebten El Tattoo Del Tigre das Bacardi Sunsplash. Das rund 35-köpfige Orchester aus Belgien lebte den Mambo zwar intensiv auf der Bühne, doch wurde er beinahe zu perfekt dargebracht. Die Darbietung der Belgier wirkte phasenweise zu glatt. Dennoch beeindruckend, wie man all die verschiedenen Instrumente unter einen Hut brachte. Der Priester Luciano inszenierte seinen Auftritt wie kein zweiter. Das Publikum war auch hungrig auf den einzigen „puren Reggae-Act“ des Festivaltages. Der Jamaikaner, welcher im letzten Jahr leider absagte, bewies, dass er zurecht eingeladen wurde. Sein spirituell anmutendes Konzert war ein viel bejubeltes und extrem beeindruckendes.
Doch dann kam Seeed aus Berlin und plötzlich war alles Drumherum vergessen. „The New Dubby Conquerors“ mischen nicht nur Elemente des Dub, Dancehall, Reggae und Pop, sie haben das gewisse Etwas. „To Of The City“, „Dickes B.“ oder “Rhytym No.1” gingen mächtig in die Beine. Mit “Seeed, Seeed”-Sprechchören empfangen, konnte aber auch fast nichts schief gehen. Erst nach zwei Zugaben ließ sie das Publikum widerwillig von der Bühne. Der Auftritt von Seeed kann in einem Atemzug mit den Shows von Manu Chao und Bauchklang genannt werden. Sicherlich ein Anwärter auf das vielzitierte „Konzert des Jahres“.
UB40 standen danach vor der buchstäblich verbrannten Erde. Sie hatten es von der ersten Minute an extrem schwierig. Dennoch machten sie es mit viel Routine und einiger Spiellust gut. Über Hits verfügen sie ja im Übermaß. Aber auch abseits jener versprühten sie Lust auf europäischen Reggae/Pop. Wieder einmal einer großer Name, den wir in Wiesen präsentieren konnten. Ich sage nur Red, Red Wine“ oder „Kingston Town“...
Abschließend bildeten Mo´Horizons & Gruppo Brazil den würdigen Abschluss eines tollen Festivals. Viele verwegene Fans blieben bis zum Schluss.