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Donnerstag - der Beginn

Vier Tage lang strömten Fans aller Altersgruppen ins schöne Burgenland, um sich zeitenweise gar seltsamen Klängen hinzugeben. Schon der Donnerstag mit Michael Franti (der immer zu einem absoluten Highlight bei uns zählt) machte klar, das der Jazz-Begriff offen verstanden kein Hindernis für ein tolles Festival sein muß.

Mit Zucchero, der in altbewährter Marnier nicht nur Hit an Hit reihte, sondern hie und da auch diffizilere leise Töne anschlug (ein Lob der
Backgroundgesangsmannschaft) und den Söhnen Mannheims, deren Botschaften ein ums andere Mal einem Gang nach Golgatha glichen waren ebenso Darbietungen der Extraklasse zu bestaunen, und dass Seals Freundin Heidi ebenfalls im Erdbeerland auftauchte, ist den Klatschspalten nicht verborgen.

Auf eine wunderbare Show hatte diese Tatsache keinerlei negativen Einfluss (obwohl Seal ja die meisten seiner Hits noch vor der Bekanntschaft komponierte – Gefühl hat der Mann).
Freitag am Jazzfest Wiesen - die atemberaubende Moloko - Show

Stimmt, Jestofunk konnten, trotz Ce Ce Rogers, eine absolut außer Rand und Band geratene Roisin Murphy nicht stoppen.

Die beste Moloko Show aller Zeiten fand wohl heuer in Wiesen statt, da bleibt kein Zweifel über. Zartgewandet mit Pelz und poliertem Stahlhelm badetet sie schließlich in einer tobenden Menge. Hatte fast schon Rockcharakter, diese Stimmung!

Der Bringer war aber auch die Show von Produzent, Komponist und Keyboarder Mousse T., der mit Gastsängern wie Emma Lanford und The Stranglers Ikone Hugh Cornwell (die wunderbare Version von Golden Brown muß man einfach gehört haben) eine Stimmung verbreitete, die an internationale Shows in Las Vegas erinnerte.

Auch die restlichen Bands, obwohl sie hier unerwähnt bleiben, haben zu einem schönen Festivaltag beigetragen.
Samstag - Jazz - die Rückkehr eines Musikstils

Mit Opener Gerald Gradwohl war er plötzlich da, der von einigen Besuchern so vermisste Stil - die Rückkehr des Jazz, verbreitet von DEM Gitarristen der österreichischen Musikneuzeit. Wer Gerald G. noch nicht kannte (das gilt aber wohl nur, für maximal drei Besucher) hatte neben dem Spaß, den man als Gitarrist vor einer absolut tighten Band haben kann, gerade das zeichnet Gerald auch aus, nur noch Bewunderung für ein Ausnahmetalent über. Ein grandioser Gig.

Den hätte wohl auch gerne Malia gespielt, deren gesangliche Größe noch nicht zu gelungenen Arrangements reicht - bitte den Komponisten/Produzenten wechseln, denn dann wirst du ein Superstar!

Das ist schon seit Jahrzehnten ein gewisser Bishop Solomon Burke - seine Songs und Covers kannten wir alle und die Rosenshow am Thron mit tanzenden Fans war extraordinär - sein Organist wird uns ebenfalls lange in Erinnerung bleiben.

Marcus Miller, Keziah Jones und Van Morrison boten Shows, die der Erwartungshaltung entsprochen haben, das sei nur nebenbei erwähnt.
Sonntag - The Doors are back

Ian Astbury kommt am Nachmittag in Wiesen an, ist entspannt, gibt am Zaun Autogramme wird aber prinzipiell von niemandem erkannt. Inzwischen bluesen sich Oliver Mally und die Mojo Blues Band gekonnt durchs Programm, dass es eine Freude ist. Gute Stimmung, zufriedenes Publikum und nebenbei ein Regenguss, der an apokalyptische Verhältnisse erinnert.

Colosseum rund um Barbara Thompson sind eine Sensation, Eingefleischte wissen das eh schon längst, der Rest ist begeistert. Gut so. Dann wieder Blues von den Bluesbreakern, die einen gut gelaunten John Mayall featuren, bevor der Wahnsinn über das Zelt hereinbricht. Visuell der Moderne angepasst betreten Ray Manzarek und Robby Krieger die Bühne, gefolgt von einem No Name-Schlagzeuger und einem Bassisten (klingt nebenbei auch besser so).
 
Die Präsenz des Jim Morrison ist allgegenwärtig und dass er sich The Cult Sänger Ian als Trägerkörper ausgesucht hat, muss wohl daran liegen, dass dieser auch besser singt. Die Performance hat aber der Geist inne. Ian unterscheidet sich nur durch die Größe von Jim, alles andere ist gleich, gespenstisch fast, es verschwimmt die Wahrnehmung. Bis hin zu dem Punkt, wo eines klar wird: Ian ist auf der Bühne - Jim hat das Publikum infiziert - beide sind unter uns und Robby, Ray und Kameraden werden immer unwichtiger. THE DOORS sind als Einheit gekommen und so wollen sie auch gehört werden, denn spielen können sie auch schon etwas besser.

Resümierend war es für mich der beste Doors - Gig aller Zeiten (es kann auch nur einen geben, schließlich war ich am 3. Juli 1971 gerade mal 1 3/4 Jahre alt), im 21ten Jahrhundert sowieso und wenn es John Densmore auch noch schafft, wieder in die Band zurückzukehren, dann hätten wir die Idealbesetzung beisammen. Und dann schnell wiederkommen!
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