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Mike Patton Interview

Nach dem für seine Verhältnisse recht ungewöhnlichen Auftritt am 2DAW 2004, ist wieder einmal klar geworden, dass man bei MIKE PATTON in nur einer Hinsicht wirklich sicher sein kann: dass alles möglich ist. Grund genug, um dem Vollblutmusiker auf den Zahn zu fühlen.


Mike, du hast vor kurzem in einem Film namens „Firecracker“ mitgespielt, erzähl ein wenig davon.

Es ist eine ziemlich komplizierte Story, es dreht sich alles um einen Wanderzirkus und einen Mord in einer kleinen Stadt in Kansas. Sehr verdreht, sehr merkwürdig, aber eine gute Story.

Ich hoffe, wir kriegen den Film in europäische Kinos.

Er kommt wahrscheinlich nicht mal bei uns in die Kinos, also mach dir keine Sorgen (lacht). Vielleicht er kommt in überhaupt kein Kino, wer weiß.

Wirst du in Interviews noch oft über deine Koprophagie-Phase während der Zeit bei FAITH NO MORE befragt?

Nicht so oft eigentlich. Sie wollen meistens nur wissen, ob wir nicht eine Reunion starten, beziehungsweise warum nicht. No more questions about eating shit, haha. Die Leute haben das anscheinend vergessen, was ganz okay ist.

Was ist aus dem FAITH NO MORE-Tribute geworden?

Was?
 
Vor ungefähr 2 oder 3 Jahren gab es viel Wind um ein geplantes Tribute-Album, mit PAPA ROACH und so - was ist daraus geworden?
 
Ich habe nie etwas davon gehört, ich wurde nur oft dazu befragt. Möglicherweise hat es nie existiert. Das Einzige, was ich davon weiß, ist, dass es nie dazu kam und das vermutlich aus einem guten Grund.
 
Das ist wahrscheinlich mittlerweile sehr uninteressant, aber irgendwelche letzten Worte zu FAITH NO MORE?

Da gibt es im Grunde genommen nicht mehr viel zu sagen. Es war eine Band, in der ich gesungen habe, es war toll, solange es sie gab, wir haben ganz gute Sachen gemacht und ich bin froh, dass es vorbei ist.

Du spielst in so vielen Bands und machst auch sonst noch sehr viele Sachen. Glaubst du, dass du deine Zeit verschwendest, wenn du mal nicht arbeitest? Arbeitest du so gerne?

Es geht eigentlich gar nicht darum, ob ich es mag oder nicht, es ist einfach das, was ich mache! Das hört sich jetzt vermutlich komisch an, aber die meiste Zeit denke ich gar nicht daran. Ich mache es automatisch, weil es sich für mich natürlich anfühlt - es zu machen fühlt sich gut an. Ich setze mir einen Zeitplan, versuche jeden Tag etwas davon zu erledigen und hoffe, jeden Tag darin ein wenig besser zu werden. Manchmal tue ich nichts und es fühlt sich nicht beschissen an, ich schaue mir einen Film an oder etwas in dieser Richtung.

Ich schätze, du siehst deine Frau nicht sehr oft, oder?

Es ist kompliziert, was Ehen ja so an sich haben. Meine Ehe ist auch noch eine interkontinentale Ehe, was es noch ein bisschen komplizierter macht. Es ist hart, aber wir schaffen es. Es gibt gute und schlechte Zeiten, aber sie hält jetzt schon 10 Jahre, also schätze ich, es klappt einigermaßen gut.

Vermutlich wusste deine Frau schon vorher, dass ihr euch nicht so oft sehen würdet?

Es gab schon dieses Einverständnis, aber danach zu leben ist eine andere Sache. Anscheinend halten wir uns aber ganz gut.

Ok, jetzt ganz krasser Themenwechsel: Buzz von den MELVINS ist ja bekanntlich ein ganz großer Zweiter Weltkriegs-Fan, hat er dich schon irgendwie angesteckt?

Ich bin nicht ganz so ein arger Freak wie Buzz, aber auch Kevin Rutmanis von den MELVINS ist ziemlich besessen davon.

Haben sie das von Frank Kozik?

Nein, aber Buzz ist Jude, also kam er vermutlich mit dieser Obsession zur Welt, haha. Doch dieser Krieg hat ziemlich viele gute Zutaten, er ist definitiv einer der interessantesten.

Du hast als Jugendlicher angeblich sehr viel Hardcore und Death Metal gehört, interessieren dich diese Genres heute noch?
 
Ja, es ist immer noch sehr viel davon in mir, vermutlich gibt es deswegen auch FANTOMAS. Diese Genres waren sicher der Stimulus dafür. Vielleicht interessiert dich das, wir versuchen momentan MESHUGGAH dazu zu bringen, ein Album auf Ipecac zu veröffentlichen.

Glaubst du, dass in Amerika bessere Musik gemacht wird als im Rest der Welt?

Nein, wir sind eben ein relativ großes, homogenes Land. Pro Kopf vielleicht, aber es wird doch überall ganz gute Musik gemacht, oder?

Trotzdem schielt jeder nach Amerika und das ist meiner Meinung nach das Hauptproblem.

Andererseits kopiert auch in Amerika jeder den anderen und das ist das größte Problem. Doch überall sitzen Freaks in ihren Zimmern und machen verrückten Scheiß, du musst nur danach suchen.

Aber nimm zum Beispiel Deutschland und Österreich her, das sind insgesamt an die 90 Millionen Menschen und es gibt nur eine Handvoll guter Bands.
 
Die Amerikaner sind wahrscheinlich konsumfreudiger und wir unterstützen diese Form der Kultur daher besser, indem wir jeden Scheiß kaufen. Musik ist ein Produkt und wir sind Konsumenten, darin sind wir ausgezeichnet!

Wir sind vermutlich besser darin, Maschinen zu bauen und die Welt mit Krieg zu überziehen.

Stimmt, darin seid ihr einsame Spitze, aber wenn ihr mal lernt, Bands wie Maschinen zu bauen, watch out, haha! Dann seid ihr die Nummer Eins!

Wenn ich dich danach beurteile, was ich von dir in Interviews gelesen habe, glaube ich, dass du ein Mensch bist, der sagt was er denkt. Bist du dadurch schon mal in Schwierigkeiten geraten?

Im Großen und Ganzen sage ich schon, was ich denke, aber ich habe auch dazugelernt. Man kann das nicht immer machen, das habe ich auf die harte Tour erfahren. Wahrscheinlich wird man mit dem Alter einsichtiger. Manchmal werden ungemütliche Situationen zu beschissenen Situationen, weil ich mein blödes Maul nicht halten kann. Hin und wieder muss man es einfach sein lassen, obwohl...na ja, reden wir lieber nicht darüber.

Obwohl FANTOMAS` „Delirium Cordia“ der aktuellste Spross von MIKE PATTON ist, heißt das noch lange nicht, dass der gute Mann nicht auch anderweitig beschäftigt ist. Teils schon davor, vor allem aber nach dem Split von FAITH NO MORE, entwickelte er sich zu einem Hansdampf in allen Gassen: Mit Ipecac hat er ein kleines aber feines Label am Start, doch weil ihm das noch lange nicht genug war, vertreibt er sich auch mit unzähligen musikalischen Projekten die Zeit. Hier die wichtigsten:

TOMAHAWK
Mike Patton (Gesang)
Duane Denison (Gitarre, Ex-JESUS LIZARD)
Kevin Rutmanis (Bass, MELVINS)
John Stanier (Drums, Ex-HELMET)
„Von der TOMAHAWK-Front gibt es im Moment nicht sehr viel Neues zu berichten. Duane schreibt gerade neue Songs und der Rest von uns macht eben andere Sachen. Wir haben es auch nicht besonders eilig, ein neues Album aufzunehmen. Wir werden uns ein wenig Zeit lassen und dann etwas veröffentlichen, das ein wenig off the path ist. Duane hat das vorgeschlagen und wir haben alle zugestimmt.“

MR. BUNGLE
Mike Patton (Gesang, Keyboards)
Trevor Dunn (Bass, FANTOMAS)
Daniel Heifetz (Drums)
Clinton McKinnon (verschiedenste Blasinstrumente)
Preston Spruance III (Gitarre, Keyboards)
„MR. BUNGLE ist einen langen, schmerzvollen Tod gestorben.“

PEEPING TOM
Mike Patton (?)
Dan the Automator (?, nicht bestätigt)
„Im Vergleich zu den anderen Sachen, die ich mache, ist es schon sehr poppig. Es ist kein PINK oder BRITNEY SPEARS Pop, aber für meine Ohren und in meinem Universum ist es Pop. Es gibt Pop-Strukturen und...eigentlich habe ich keine Ahnung, was es ist, haha.“

HEMOPHILIAC
Mike Patton (Samples)
John Zorn (Samples)
Ikue Mori (Samples)
„Ich habe in den letzten zehn Jahren sehr oft mit John Zorn gespielt, und wir haben einige Feuer im Eisen. Ich habe zum Beispiel zu Silvester eine Show in New York mit ihm gespielt, im Rahmen unseres Projektes HEMOPHILIAC. Es besteht aus John, Ikue Mori und mir. Wir machen das eigentlich nur zum Spaß, es ist Laptop-Musik.“

Zusammenarbeit mit KAADA
„Er hat gerade ein Album fertiggestellt, das in Kürze auch auf Ipecac erscheinen wird. Es hört sich auch komplett anders an als sein erstes Album, das meiner Meinung nach sehr poppig war. Das neue ist ziemlich Soul-lastig, gut orchestriert und romantisch. Es hört sich an wie aus dem 19. Jahrhundert. Ich arbeite mit ihm auch an einem anderen Album, aber es ist noch zu früh, um darüber viele Worte zu verlieren.“

Infos zu allen Bands auf: www.ipecac.com

Florian Graf
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